Gesellschaftspolitischer Ausschuss
der Evangelischen Arbeitnehmerbewegung - EAB -
Landesverband Nordrhein-Westfalen
e. V.
Der GPA der Evangelischen Arbeitnehmerbewegung hat sich mit der jüngsten
Verlautbarung der römisch katholischen Kongregation für die Glaubenslehre
vom 5. September 2000 "Erklärung Dominus" Jesus befasst.
In den Passagen zur "Einzigkeit und Einheit der Kirche" werden jedoch Jesus
Christus und die römisch katholische Kirche, die vom Nachfolger Petri und
von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet werden, so nah aneinander
gerückt, dass die Aussagen für die Kirchen der Reformation nicht akzeptabel
sind.
Die Kirchen der Reformation stehen in der Erklärung gewissermaßen auf der
untersten Stufe der kirchlichen Rangordnung.
Als "kirchliche Gemeinschaften, die den gültigen Episkopat und die ursprüngliche
und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt
haben", sind sie - wie ausdrücklich gesagt wird - "nicht Kirchen im eigentlichen
Sinn".
Mit einer Deutlichkeit, die für Zweifel keinen Raum lässt, wird hier dem Prinzip
eines Umgangs par cum pari, also von gleich zu gleich, eine bedauerliche Absage
erteilt.
Die Erklärung kommt, was den Inhalt angeht, nicht überraschend. Dass die römisch
katholische Lehre von der Kirche weit über alle Differenzen in anderen Fragen
hinaus das größte Hindernis für die Vertiefung der Gemeinschaft mit den Kirchen
der Reformation bildet, konnte keinem Kundigen verborgen sein.
Unsere Meinung nach kann unsere kirchliche Existenz uns nicht von der kath.
Kirche in Rom abgesprochen werden, zumal die Konfessionen in Deutschland entschlossenen
Schrittes aufeinander zugehen.( z. B. ACK, KAB, Kolping, BVEA, EAB) Wer Kirche
Jesu Christi ist, entscheidet nicht die Kongregation für die Glaubenslehre
der katholischen Kirche, sondern nach evangelischem Verständnis die Bibel.
In der vom Vatikan vorgelegten "Erklärung Dominus Jesus" wird der Vorrang
der katholischen Kirche vor anderen Glaubensgemeinschaften betont. Zugleich
wird darin ein Bekenntnis zum Primat des Papstes abgelegt. "Dies (die katholische)
ist die einzige Kirche Christi" heißt es in der 37-seitigen Erklärung.
Die Erklärung macht deutlich, dass der Vatikan nicht das Kirchsein der Konfessionen,
sondern nur die Würde ihrer Vertreter im Dialog anerkennt.
Man könnte das Dokument des Vatikans als ein Vorgehen gegen die Ökumene bewerten.
Es wird vor der Bezeichnung Schwesterkirchen gewarnt, weil dies dem Gedanken
der katholischen Kirche als Mutter aller Kirchen widerspräche. Wir bedauern
diesen Vorstoß aus Rom und sind der Meinung, dass dies für die Ökumene nicht
förderlich ist.
Angesichts der zahlreichen drängenden ethischen und sozialen Herausforderungen
in der heutigen Welt wäre es tragisch, wenn das prophetische Zeugnis aus der
Verantwortung vor dem Evangelium und einer in Schmerzen liegenden Welt gedrängt
würde, weil die Kirchen damit beschäftigt sind, über ihre jeweilige Autorität
und ihren Status nachzudenken.
Die Evangelischen Arbeitnehmervereine vor Ort wissen wohl die errungenen Gemeinsamkeiten
zu schätzen. Die Zukunft der Kirche
wird eine ökumenische Kirche sein.
erstellt 29.06.01
|