Empörung, Wut und Trauer und unglaubliche Hilflosigkeit
beschleichen unsere Herzen ob des brutalen Angriffs von Terroristen auf das
World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington. Fassungslos
waren wir Zeuge eines extremen Angriffs auf wehrlose Menschen mit Tausenden
von Opfern. Unser Mitgefühl gilt allen Opfern und ihren Angehörigen. Wir fühlen
mit ihnen den Schmerz über die persönlichen Verluste, wir fühlen mit, mit
der Nation USA, denen so etwas auf ihrem Territorium noch nie widerfahren
ist.
Der Anschlag traf das World Trade Center, das Symbol des
Kapitalismus und der amerikanischen Lebensphilosophie im Herzen New Yorks,
der heimlichen Hauptstadt der Welt und das Pentagon, das Verteidigungsministerium
der USA. Dies ist eine Kampfansage an die freie Welt, die durch das Kidnapping
der vier Flugzeuge, ohne Rücksicht auf das Leben der darin sitzenden Passagiere
in Selbstmordmanier durchgeführt, eine unglaubliche Negierung des Lebens ausdrückt.
Diese neue Qualität von perfidem Zusammenspiel unterschiedlicher Terrorgruppen
bildet eine neue Qualität des Terrorismus. Sie zeigt uns, das unsere Städte,
ja wir persönlich immer und überall angreifbar sind, dass freie Gesellschaften
wie die unsere immer verwundbar sein werden.
Wir hoffen, in unserer Wut und Trauer und unserer Solidarität
zu den Vereinigten Staaten, dass solch ein Angriff uns nicht verleiten wird,
unüberlegt zurückzuschlagen. So verständlich Wut und Hass und Vergeltungsdrang
auch sind, warnen wir davor, blind allen die Schuld zu geben, die einen anderen
Glauben haben. Unsere Gesellschaften müssen so stark sein, auch in dieser
Situation Moslems und Mitglieder anderer Glaubensrichtungen, die friedlich
in unserer Mitte leben wollen, Vertrauen und Schutz entgegenzubringen. Es
kann nicht sein, dass wir einige Verbrecher mit einer Volksgruppe gleichsetzen.
Gerade wir als Christen sind dazu aufgerufen Toleranz und Frieden unter den
Menschen über alles andere Streben zu stellen.
Wir fordern alle Regierungen dieser Welt auf, dabei zu
helfen, die Verantwortlichen zu finden und zu bestrafen, denn mit Terrorismus
ist ein friedliches Zusammenleben unmöglich. Wir fordern alle auf diesem Planeten
auf, Konflikte auf dem Verhandlungswege zu lösen.
Wir hoffen und wünschen, dass sich die Verantwortlichen
der Nato und unserer Regierung nicht zu unüberlegten Schritten hinreissen
lassen.
Matthias Gehlhar Bundesgeschäftsführer des BVEA im September
2001