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Den Glauben leben im Kontext der Globalisierung - Helmut Faber

Nun ist es unausweichlich geworden: die Kirchen müssen sich mit der Globalisierung auseinandersetzen. In der Ökumene geschieht dies schon  seit längerem , zuletzt mit dem AGAPE-Papier auf der Vollversammlung des ÖRK in Porto Alegre (2006). Inzwischen ist die Globalisierung auch Thema von Landes-und Kreissynoden.

Genau genommen geht es um die wirtshaftliche Globalisierung und deren verheerende Folgen.

Daß die „eine bewohnte Welt“ ( die Oikoumene) globale Möglichkeiten der Kommunikation entwickelt hat und politisch gewollte territoriale Öffnungen erfahren hat, kann man einerseits positiv sehen, wenn da nicht die erschreckende andere Seite wäre : die wirtschaftliche Globalisierung.. Das private Kapital bemächtigt sich grenzenlos und unkontrolliert der Ressourcen,  der Produktionsmittel und der Menschen weltweit. Die Finanzströme entziehen sich jeder politischen Einflussnahme. Die Größenordnungen sind nur noch in Billionen zu beschreiben.

Spuren der Globalisierung   

Die Nationalstaaten verlieren ihre politische und wirtschaftliche Eigenständigkeit. Sie können nur noch auf die Forderungen des Kapitals reagieren. Die Heilslehre, die zum Glaubensbekenntnis erhoben wurde, ist der Neoliberalismus und der freie Markt. Was zählt, sind nur noch Regelungen zum Schutz des expandierenden privaten Kapitals. Wer darüber nicht verfügt, ist rechtlos.

Nur wenige Beispiele: Selbst demokratisch gewählte Regierungen müssen unter dem Druck des Kapitals gegen ihre Wähler entscheiden. (Der Streit um den Mindestlohn ist bezeichnend)

Die Forderung nach mehr Arbeitsplätzen gehört inzwischen zum kosmetischen Outfit der Parteien und Regierungen. Praktisch ändern können sie mit Ausnahme der Statistik gar nichts, denn menschliche Arbeit ist für die neoliberal orientierte Wirtschaft gewinnschädigend, es sei denn, man kehrt zu Mindest- oder entwürdigenden Löhnen zurück. Gleichzeitig werden Sozialleistungen zurückgefahren. Bildungsanstrengungen zielen nur noch auf Eliten. Zum neoliberalen System gehört die maßlose Einkommensumverteilung zu Gunsten des wirtschaftlichen und politischen Managements. Selbst unsere Regierungsvertreter nehmen das für sich in Anspruch. Die Armut nimmt weiter zu.  Diese Entwicklung betrifft schädigend oder lebensbedrohend alle Teile der Welt. Das  Kapital bemächtig sich privaten Landes, der Ernährungsressourcen, sogar des Wassers und der Energiereserven. Die Schädigung des Klimas (die Zerstörung des Planten und des Lebens) wird an Börsen gehandelt. Zynischer geht es nicht.

Die globale Strategie des Kapitals führt auch zu globalen, imperialen Ansprüchen mit der Folge militärischer Bedrohung und Durchsetzung (z.B Irak, Afghanistan, erneute Aufrüstung der USA und Russlands).

Es ist verständlich, dass viele Menschen angesichts dieser Entwicklung, Augen und Ohren verschließen und sich zurückziehen. Ein Gefühl der Ohnmacht macht sich breit. Gefordert wird wieder mehr Religion. Auch die Kirche soll zu ihrem „Kerngeschäft“ zurückkehren.

Haltung zeigen

Wenn sie es denn wirklich täte,  fände sie zum Vertrauen auf Gott und zum Evangelium zurück. Sie würde die Erfahrung machen, dass der Glaube an Gott und die Nachfolge Jesu sich nicht auf die Innerlichkeit und die private Sphäre beschränken – nicht „Wellness der Seele“ -  sondern die Würde des Lebens und den Schutz alles Lebendigen  einschließt. Zur Zentralgestalt der Kirche würden die Armen.

Die Kirche ist in ihrer Geschichte immer wieder der Versuchung erlegen, ihr Glaubensgut preiszugeben oder umzudeuten, um sich ihre Privilegien zu sichern. Unpolitisch wollte sie sein, dabei war und ist sie politisch, indem sie die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen akzeptiert und für sich nutzt.

Jetzt ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen umzudenken. Wir machen uns wieder das wertvollste Gut unserer Lebensauffassung zu zeigen.  Wir lassen uns als Geschöpfe Gottes vergewissern und  begreifen die Menschengemeinschaft als die Familie Gottes, wie es Desmond Tutu auf dem Kirchentag in Köln 2007  immer wieder ausgerufen hat. .Wir sehen die Welt als das eine Haus zum Leben und wir sind bereit dafür entschieden einzutreten.

Eine halbe Sache kann und darf es nicht sein. .Die Barmer Erklärung von 1933  sagt das unmissverständlich: „ Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zueigen wären.“

Die Kirche muss ihren Standort bekennen, klare Position einnehmen, auch auf die Gefahr hin, sich Gegner zu schaffen. Nur so bleibt sie Kirche und hat Zukunft.

Gestaltungskraft des Glaubens in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik 

Bis in unsere Gemeinden und Gruppierungen hinein, sind wir aufgerufen, aus unseren Selbstinteressen herauszutreten, für eine Ökonomie Gottes einzutreten und eine Lebensgemeinschaft im Haus der „familia die“ zu pflegen.

Kirche im Weg

Das wird der Kirche ein neues Image verschaffen: Sie wird auf sich aufmerksam machen, Vertrauen gewinnen, auf dem Boden der Wirklichkeit stehen. Kirche und Glaube  sind zwar angreifbar, aber  das Reden von Gott wird hautnah, menschlich und greifbar.

Christliche Arbeitnehmer müssen Stellung beziehen

Die Herausforderung durch die wirtschaftliche Globalisierung betrifft die Arbeitswelt und die Arbeitnehmerorganisationen in besonderer Weise. Das Eintreten für die Verarmenden und die Benachteiligten in allen Bereichen von Produktion und Dienstleistung – lokal wie global - wird zur Hauptsache. Dabei ist die Kooperation mit anderen  Organisationen unerlässlich (Bündnisse, Solidarität und Protest). Das Thema lautet: Alternative Globalisierung im Blick auf  Menschen und Erde ( AGAPE = Alternative Globalisation Adressing People and Earth). Für Bildungsarbeit, Anregungen und Aktionsbündnisse stehen viele kompetente Referenten zur Verfügung.

Helmut Faber / Oberhausen


Weltweite Bankenkrise - Werner Künkler - als pdf-datei

Resolution Nokia Bochum - Februar2008 - zur pdf-Datei

Den Glauben leben im Kontext der Globalisierung - Helmut Faber - als pdf-datei

Menschenhandel und Ausbeutung - Werner Künkler - als pdf-datei

Das leidige Diäten-Thema - Hans-Georg Glaser - als pdf-Datei

Arbeitnehmer sollen sich im Urlaub weiterbilden. Werner Künkler - als pdf-datei (182kb)

Grundeinkommen von Helmut Faber- als pdf-datei (114 kb)

100.Geburtstag Widerstandskämpfer Alfred Delp und James von Moltke - Hans-Georg Glaser - als pdf-datei (86 kb)

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