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Sie sind hier: Reisebericht - Polen ist anders - Studienreise der EAB NRW - Helmut Faber Polen ist andersNicht wenige versuchen den Sprung
nach England oder Schweden
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| Ein junges Land, pulsierend mit offenen Kirchen |
Die Begegnung mit Polen war mehr als eine Studienreise. Es war ein Horchen
und Schauen, ein unerwartetes Entdecken und oft ein Schweigen, um nicht vorschnell
etwas einzuordnen, was man gerade erst im Begriff war zu verstehen.
So Christina, vertrieben aus Lemberg, zwangsumgesiedelt nach Breslau. Heute
führt sie durch die Stadt. Sie kennt sie und hat sie angenommen, doch der Schmerz
der Vertreibung ist nicht zu überhören. Zu Freunden sind die Russen nie geworden,
auch nicht die Deutschen. Wie auch? Aber man ist freundlich, wenn Grenzen sich
öffnen.
Breslau strahlt wieder, die Lebensfreude der Jugend explodiert rund um den
Markt. Dahinter gähnen noch finstere Höfe und traurige Fassaden. Aber es wird
zusehends besser.
Oberschlesien zeigt noch immer den Schmutz und die Entstellung einer ausgebeuteten
Region von Kohle und Stahl. Überwiegend junge Menschen drängen durch die Straßen.
Kohle ist wieder gefragt. Man könnte depressiv werden vor lauter Verkommenheit
und Hässlichkeit der Orte. Aber Leben hat auch eine materielle und nicht nur
ästhetische Seite. Der Sloty wird zusehends stärker.
Die Kaufkraft steigt. Die Arbeitslosigkeit auch; mit 18,1 % die höchste in den Mitgliedsstaaten der EU. Kolchosen haben desozialisierte Menschen hinterlassen. Für viele verläuft das Leben an der Armutsgrenze. Schwarzarbeit ist unvermeidlich. Nicht wenige versuchen den Sprung nach England oder Schweden.
| Doch die Ahnung des Schönen leuchtet durch den Nebel |
Und dann Krakau. Die Stadt des Papstes, die patriotische Stadt, die nationale
Hochburg. Sie gehört nicht mehr zum Westen. Hier spricht man nur polnisch oder
englisch. Vor dem Holocaust ein Zentrum jüdischer Kultur mit eigenem Stadtteil.
Nach Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" (1993) heute eine touristische
Attraktion. Man isst dort angeblich "koscher" und hört Klezmer- Musik, aber
ohne Juden.
Die Stadt ist trotz ihres Alters jung: Universität, Kunst und Kultur, Industrie
vor den Toren, die Hohe Tatra zum Greifen, pulsierender Verkehr über neue Autobahnen
und die Kirchen mit weit geöffneten Türen und Flügelaltären, als wollten sie
die Besucher umarmen. Katholisches Polen.
Gegen Ende der Reise das Riesengebirge. Erinnerungen, Landschaften, Orte, die
so manchem Heimat waren. Sie sind nicht mehr, was sie waren. Die jüngste Geschichte
hat noch nicht alles geheilt. 60 Jahre sind zu wenig zum Genesen. Doch die Ahnung
des Schönen leuchtet durch den Nebel um die Schneekoppe.
Die Reise hat bewirkt zu sehen und zu verstehen. Ein wenig nur, anfänglich und
viel zu kurz. Aber Polen ist ganz anders, als man dachte, bevor man da war.
Respekt, Staunen, Bewunderung und Zuneigung sind entstanden zu dem Land und
den Menschen, die darin wohnen.
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